Umsatzsteuerregelung bei der Nutzung von Google AdWords

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AdWords AgenTurbo - USt für Google AdWords

Sie haben ein Unternehmen in Deutschland und nutzen das Werbeprogramm Google AdWords? Demnach erhalten Sie von der Tochter des Internet-Riesens, der Google Ireland Limited, eine Rechnung ohne Aufführung der Umsatzsteuer. Sie fragen sich: Wieso das so ist?

In diesen Fällen tritt das Reverse-Charge-Verfahren in Kraft und verlagert die Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger – also auf Sie als Nutzer von AdWords. Im folgenden Beitrag wird Ihnen dieser Sachverhalt genau erläutert und dargelegt, was Sie beachten müssen.

Das Reverse-Charge-Verfahren

Laut dieses Verfahrens tritt eine Regelung in Kraft, nach der eine Verlagerung der Umsatzsteuerzahllast erfolgt. Sie besagt, dass der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer an das inländische Finanzamt abführen muss und nicht das leistende Unternehmen.

Diese Regelung findet in der EU ihre Anwendung. Sofern Ihr Unternehmen in Deutschland oder einem der benachbarten Länder Frankreich oder Großbritannien ansässig ist, wird für die Nutzung von AdWords ein Vertrag mit der Google Ireland Ldt. eingegangen.

Im vorliegenden Fall Google AdWords gilt somit Google als leistendes Unternehmen und der Kunde, welcher AdWords in Anspruch nimmt, als Leistungsempfänger. Daraus folgt, dass Google nur das Nettoentgelt als zu zahlenden Betrag auf einer Rechnung für den Kunden ausstellen darf. Der Kunde besitzt für diesen Betrag eine eigene Umsatzsteuerschuld, die er an das Finanzamt zahlen muss. Ebenfalls ist das leistende Unternehmen laut § 14a Abs. 5 UStG dazu verpflichtet, auf die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers in der Rechnung hinzuweisen.

Weiterhin findet das Verfahren nur Anwendung, wenn es sich bei dem Leistungsempfänger um einen Unternehmer oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts handelt. Sofern diese Tatsache nicht gegeben ist, schuldet das leistende Unternehmen die Umsatzsteuer. Dementsprechend müsste die Google Ireland Ltd. die Steuer an das deutsche Finanzamt zahlen, wenn diese Bedingungen nicht erfüllt wären.

Ausgleich durch Vorsteuerabzug

Anders als vielleicht erwartet, entsteht für den Leistungsempfänger als Steuerschuldner keine wirtschaftliche Mehrbelastung, wenn er eine Vorsteuerabzugsberechtigung besitzt. Hierzu muss sein inländisches Unternehmen mindestens einen Umsatz von 17.500 € im vorherigen Kalenderjahr erzielt haben. Dadurch gilt es nicht als ein Kleinunternehmen und der inländische Unternehmer darf eine Vorsteuer abziehen. Die Folge daraus ist:

Der Leistungsempfänger hat den übertragenen Umsatz wie gewohnt in Deutschland nach dem dt. Umsatzsteuerrecht zu versteuern. Er deklariert folglich seine Steuerschuld für die jeweilige Leistung in einer Umsatzsteuer-Voranmeldung und macht diese Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend. Dementsprechend entstehen keine wirtschaftlichen Auswirkungen zum Nachteil des Kunden.

Vorteil bei der Verwaltung

Inwieweit das Reverse-Charge-Verfahren und die gewöhnliche Umsatzsteuer somit wirtschaftlichen Einfluss auf ein Unternehmen haben, unterscheidet sich nicht. Wenn es sich um Leistungen handelt, die über Staatsgrenzen hinausgehen, verringert das Verfahren lediglich den Aufwand an Verwaltungsarbeiten. Hierdurch entsteht ein Vorteil sowohl für das leistende Unternehmen als auch für den Staat.

Im Fall Google AdWords muss Google die Umsatzsteuer nicht beim deutschen Finanzamt anmelden, wodurch die unternehmerische Verwaltung entlastet wird. Der deutsche Staat umgeht das Risiko, dass eventuell steuerliche Ansprüche im jeweiligen Land des leistenden Unternehmens, hier Irland, gestellt werden müssen.

Regelung für Kleinunternehmer

Ihr Unternehmen gilt als Kleinunternehmen und ist nach § 9 UStG umsatzsteuerbefreit? Dementsprechend sind Sie nicht dazu berichtigt, die vom leistenden Unternehmen übertragene Umsatzsteuer als Vorsteuer auszuweisen.

Es besteht jedoch die Möglichkeit eine Optimierung zur Regelbesteuerung zu beantragen. Damit fällt Ihr Umsatz als Kleinunternehmer unter die Umsatzsteuerpflicht und Sie sind berechtigt die übertragene Umsatzsteuer als Vorsteuer zu deklarieren. Hierbei sind allerdings auch alle weiteren Konsequenzen zu beachten, die eventuell Nachteile mit sich bringen können. Folglich sollte sehr vorsichtig damit umgegangen werden, wenn überlegt wird, sich von dem Status als Kleinunternehmer zu trennen.

Richtige Buchführung

Wie Sie die Umsatzsteuer für Google AdWords korrekt in Ihrer Buchführung miteinbinden, wird Ihnen an dieser Stelle erklärt und anhand eines Beispiels verdeutlicht. Hierbei wird ebenfalls die Eintragung in die Umsatzsteuer-Voranmeldung sowie in ein Standardkontenrahmen (SKR) dargelegt.

Wie erläutert, schulden Sie beim hier vorliegenden Fall als Leistungsempfänger, sprich inländischer Unternehmer i. S. d. § 2 UStG, die Umsatzsteuer. Wenn Sie kein Kleinunternehmer sind, können Sie diese allerdings im gleichen Zuge als Vorsteuer geltend machen und somit wieder abziehen.

Sollten Sie die Umsatzsteueranmeldung von einem Steuerberater durchführen lassen, so setzt dieser bei der Buchung der Umsatzsteuer einen Steuerschlüssel vor das jeweilige Konto. Dieser Steuerschlüssel ermöglicht die richtige Zuordnung in der Vorsteueranmeldung.

Buchung in der Umsatzsteuer-Voranmeldung

In der Umsatzsteuer-Voranmeldung wird die Umsatzsteuer, die durch das Reverse-Charge-Verfahren zustande gekommen ist, als durchlaufender Posten behandelt. Das heißt, die Umsatzsteuer wird unter dem Punkt 46 „Leistungsempfänger als Steuerschuldner (§ 13b UStG)“ gebucht und direkt wieder unter „Abziehbare Vorsteuerbeträge“ in Zeile 59 für Vorsteuerbeträge aus Leistungen i. S. d. § 13b UStG abgezogen.

Buchung im SKR

Bei der Nutzung eines Standardkontenrahmens (SKR) erfolgt die Buchung der Umsatzsteuer auf das Konto „Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 %“. Demgegenüber wird auf das Konto „Abziehbare Vorsteuer nach § 13b UStG 19 %“ die Gegenbuchung gebucht.

Im nachstehenden Buchungsvorschlag sind dabei die Kontonummern des jeweiligen SKR, welcher zur Buchung verwendet wird, zu beachten. Hierbei wird als Platzhalter „#“ eingesetzt.

Beispiel Google AdWords: Der Unternehmer Rüdiger Hartmann nutzt das Werbeprogramm Google AdWords. Hierfür hat er ein monatliches Budget von 1.000 € angesetzt. Dementsprechend fällt bei einem Mehrwertsteuersatz von 19 % ein Umsatzsteuerbetrag von 190 € an, der als Vorsteuer abgezogen werden darf.

Buchungsvorschlag:

# Werbekosten                                                            1000       an         # Bank                                                            190

# Abziehbare Vorsteuer nach § 13b UStG 19 %       190       an        # Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 %   190